Die Sinne der Katze
Im Augenhintergrund haben viele Nachttiere – Katze, Eule – eine reflektierende Schicht, ähnlich wie Fotozellen, mit der sie auch noch in der späteren Dämmerung hervorragend sehen können. Jeder hat schon mal gesehen, wie Katzenaugen im Dunkeln leuchten können. Tatsächlich
funktioniert das Auge vergleichbar einer Foto oder Filmkamera. In der Dunkelheit weitet es sich, bei grellem Sonnenschein wird es zum schmalen Schlitz.
Wie der Hund als Nasentier bezeichnet wird, gilt die Katze als Augentier. Mit ihrem weiten Gesichtsfeld von 285 Grad – der Mensch hat nur 210 Grad – kann sie sogar eine Ameise erkennen, die in sechs Metern Entfernung halb hinter ihr durchs Gras krabbelt.
Sie sind mindestens dreimal so gut wie die des Menschen. Das Katzenohr kann bis zu 60.000 Schwingungen wahrnehmen, das menschliche nur bis zu 20.000. 27 Muskeln dirigieren das Katzenohr. Kein Wunder, dass sie aus hunderten von Autos genau das ihres Menschen heraushört.
Verständlich aber auch, dass die akustisch empfindsamen Tiere kreischende Menschen und laute Musik verabscheuen. Wichtig: Wenn Katzen im Zuge von Erziehungsmaßnahmen mal geschimpft werden müssen, genügt ein normaler, eindringlicher Tonfall. Die feinen Zwischentöne wissen sie sehr wohl zu deuten.
Die Barthaare sind eine Art Radar-Warnsystem, das eine Katze auch bei Dunkelheit wie einen Zollstock benutzt. Sie sagen ihr automatisch, ob sie durch einen Spalt durchpasst oder besser zurückbleibt.
Wenn zwei Katzen sich begegnen, nehmen sie erst mal Kontakt mit der Nase auf. Dabei entscheiden sie, ob sie sich riechen können oder nicht. Auch wenn sie dem Menschen um die Beine streichen, sondern sie mit ihren Duftdrüsen, die am Schwanz, den Lippen, am Kinn und zu beiden Seiten des Kopfes sind, Geruchsstoffe ab. Sie markieren uns: Was nach mir riecht – gehört zu mir. Manche Gerüche versetzen Katzen in einen wahren Sinnestaumel, zum Beispiel Baldrian oder Katzenminze.
Im Gaumen sitzt bei Katzen das so genannte „Jakobsonsche Organ“, eine Mischung aus Geruchs- und Geschmacksorgan.
Zieht eine Katze die Oberlippe und den Nasenrücken hoch und sitzt mit halbgeöffnetem Mäulchen vor einem Kleidungs- oder Einrichtungsstück, dann flehmt sie: Sie saugt einen Geruch besonders intensiv auf.
Dass Katzen aus hunderten von Kilometern Entfernung immer wieder nach Hause finden können, gilt als verbürgt. Bei Versuchen von Wissenschaftlern, die Katzen in ein Labyrinth mit 24 Ausgängen setzten – wählte jedes Tier den Ausgang, der direkt in der Richtung seiner Behausung lag.
Als ziemlich sicher gilt, dass die hochsensiblen Samtpfoten über Fähigkeiten verfügen, die denen eines Wünschelrutengängers vergleichbar sind. Sie erspüren, wo sich Magnetfelder aufbauen, erkennen sich kreuzende Wasseradern, aber auch Wetterumschwünge.