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Magazin-Artikel

Katzen sind (über)sinnlich

Katzen sind (über)sinnlich

Katzen beeindrucken mit allen fünf Sinnen. Darüber hinaus verfügen sie über einen besonderen 6. Sinn. Dem Menschen weit überlegen, voller Überraschungen und Geheimnisse.

Katzenaugen bringen Licht ins Dunkel

Während der Mensch im Dunkeln tappt, kann sich eine Katze selbst in tief schwarzer Nacht noch problemlos orientieren. Kein Wunder, denn sie sieht im Dunkeln 6 x so gut wie der Mensch. Grund dafür sind besondere Mechanismen im Auge der Katze. Denn spezielle Zellen in der Netzhaut des Auges reflektieren jedes einfallende Licht, ähnlich wie Fotozellen dies tun. Dadurch wird das geringe Licht der Nacht doppelt genutzt. Diesen Mechanismus hat Mutter Natur übrigens auch bei der Eule angelegt. Aufgrund einer besonderen Verteilung bestimmter Rezeptoren können Katzen außerdem Hell und Dunkel extrem gut wahrnehmen, womit sie für die Orientierung bei Nacht einen deutlichen Vorteil haben. Dies hat allerdings seinen Preis: Farben und Details bleiben ihnen dabei weitgehend verborgen.

Katzen hören 3 x so gut wie wir Menschen
Irgendwo läuft leise ein kleines Mäuschen lang. Es bringt die Luft unmerklich zum Schwingen. Diese Schwingungen breiten sich aus und treffen als feinste Schallwellen in das Ohr einer Katze. Hätte sie kleine, flache Ohren, so wie wir Menschen, würden die Schwingungen und damit das Geräusch hier verebben. Anders bei der Katze: Denn sie hat große, trichterförmige Ohren, die selber zu schwingen beginnen und selbst feinste Schallwellen wie ein Resonanzkörper verstärken. Katzen sind außerdem in der Lage, Geräusche nicht nur von Art und Lautstärke einzuordnen, sondern auch exakt in ihrer Richtung und Bewegung. So erklärt es sich, dass eine Katze im Dunkeln auf den Punkt genau eine Geräuschquelle, zum Beispiel ein Beutetier, anspringen kann.

Katzen zeigen, was sie duft(e) finden
Die feine Nase von Katzen arbeitet – genau so wie die menschliche Nase – mit Riechzellen. Gleichzeitig wird sie jedoch durch ein zusätzliches „Riechorgan“ unterstützt. Dieses „Jakobsonsche Organ“ ist ein kleines Säckchen im Gaumen der Katze, dessen Innenseite mit zusätzlichen Duftrezeptoren ausgestattet ist. Es kommt besonders dann zum Einsatz, wenn die Katze „flehmt“, also mit geöffneten Lippen aktiv Luft einzieht. Ein Verhalten, das besonders bei Katern zu beobachten ist, die dem verlockenden Duft einer liebeslustigen Katze verfallen. Im Zusammenleben mit Artgenossen und Menschen setzen Katzen gezielt „Duftbotschaften“ ein. Hierfür stehen ihnen unterschiedliche Duftdrüsen zur Verfügung, zum Beispiel an den Wangen, am Schwanzansatz und auf der Oberfläche des Schwanzes. Mit diesen Drüsen markiert die Katze zum Beispiel, wenn sie mit ihrem Schwanz an Ecken oder Gegenständen entlang streicht. Ein Zeichen für besondere Sympathie und Wohlbefinden ist es, wenn die Katze ihre Duftdrüsen an der Wange aktiviert, indem sie ihr Köpfchen an unseren Beinen reibt und dabei ihren „liebsten Wohlfühlduftstoff“ abgibt.

Katzen mögen es nicht süß
Auch die Zunge einer Katze ist ein echtes Multitalent. Sie kann schmecken und schlabbern, dient der Fellpflege und bildet Verdauungsenzyme. Aber eines können Katzenzungen nicht: Süßes schmecken. Und dass, obwohl Katzen als besondere Gourmets gelten. Haben Katzen die Wahl zwischen klarem und gezuckertem Wasser, so zeigen sie keinerlei Vorlieben. Und auch, wenn die Zunge einer Katze direkt mit Zucker besprüht wird, lassen sich wissenschaftlich keine Reaktionen nachweisen. Dies lässt darauf schließen, dass Katzenzungen „süß“ gar nicht schmecken können. Anders dagegen „sauer“, „salzig“ und „bitter“: Diese Geschmacksrichtungen können die Rezeptoren der Katzenzunge sehr wohl wahrnehmen und unterscheiden. In freier Natur ist es für Katzen besonders wichtig, „bitter“ schmecken zu können. Denn ein bitterer Geschmack warnt sie vor verdorbenen Nahrungsmitteln und giftigen Pflanzen.

Katzen können "mit den Pfoten sehen"
Katzen haben an ihren Pfoten höchst sensible Tastrezeptoren. Im Gegensatz zu Hunden, die Gegenstände mit der Nase und den Augen erforschen, tasten Katzen sie lange und gründlich mit ihren Pfoten ab. Sie nehmen dabei mit speziellen Tastrezeptoren jedes kleinste Detail auf. Im Gehirn der Katze wird das Ertastete dann wie ein Bild gespeichert. Weitere wichtige Tastorgane der Katze sind ihre Haare. Sie können die Schnurrhaare zum Beispiel in verschiedene Stellungen gerichtet werden, nach vorn oder nach hinten. Damit kann die Katze dann auch im Dunkeln abschätzen, ob sie durch eine Öffnung passt oder an ein Hindernis zu stoßen droht. Ebenso sensibel sind die Endhaare des Katzenfells. Wobei diese lediglich Bewegungen und Berührungen wahrnehmen, auf Wärme und Kälte reagieren sie dagegen gar nicht. So erklärt es sich, dass Katzen nicht merken, wenn sie mit ihrem Fell an einer Kerze entlang streichen, dafür aber jede Form von Streicheleinheiten ein Sinneserlebnis der Extraklasse ist, das sie buchstäblich mit Haut und Haaren genießen kann.

Der 6. Sinn der Katze
Berühmt und berüchtigt sind Katzen auch für ihren 6. Sinn, d.h. für ihre (über)sinnlichen Fähigkeiten, die uns Menschen oft mystisch erscheinen. Dabei lassen sich viele dieser Mythen wissenschaftlich erklären. So wird immer wieder berichtet, dass Katzen, die mit Auto, Schiff oder Bahn weit gereist sind, ohne Hilfe über Hunderte von Kilometern zurück in die alte Heimat finden. Manchmal sind sie dafür über Monate bis Jahre unterwegs, immer ein Ziel vor Augen: ihr Zuhause. Verantwortlich für diesen außerordentlichen Orientierungssinn ist ein ausgeprägtes Gespür für magnetische Felder und Meridiane im Erdboden. Die Tatsache, dass Katzen winzige Vibrationen des Bodens mit ihren sensiblen Pfoten wahrnehmen, erklärt dagegen, warum sie bei Erdbeben frühzeitig unruhig werden und Schutz suchen, lange bevor uns Menschen die Katastrophe überhaupt gewahr wird. Und zu Vorboten nahender Unwetter werden Katzen, da sie winzige Veränderungen in Luftdruck und Luftfeuchtigkeit erkennen und deuten können. Doch all diese sachlichen Erklärungen lassen die (über)sinnlichen Fähigkeiten unserer Katzen nicht kleiner erscheinen – im Gegenteil: sie verdeutlichen, wie einzigartig das „große Wunder Katze“ ist!